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4 Monate Reisen mit Diabetes im Gepäck – ein Fazit

Anfang September ging es für Julia 4 Monate nach Südamerika. 5 Länder standen am Plan – mit dabei: Typ 1 Diabetes. Das bedeutete konkret: 10 Packungen Insulin, 700 Pennadeln, 600 Blutzuckermessstreifen, 600 Lanzetten, 2 Packungen Harnketonstreifen, 16 Glukosesensoren und unzählig viel Traubenzucker und Flüssigglukose. Klingt nach viel – war es auch! Der gesamte Handgepäcksrucksack und ein Teil des Hauptgepäcks waren nur für Diabetesverbrauchsmaterialien reserviert. Aber was bleibt jetzt eigentlich genau von so einer langen Reise übrig?


1. Die Vorbereitungszeit
Neben allen wichtigen Impfungen, die für Argentinien, Chile, Bolivien, Peru und Kolumbien notwendig waren, war vor allem die Beschaffung aller wichtigen diabetesbezogenen Materialen wichtig. Eine Zusammenfassung der Packliste vor der Reise findet ihr hier. Zusammenfassend kann ich sagen, dass es sich definitiv ausgezahlt hat mehr einzupacken und auch Dinge, die man nicht zwingend braucht, aber in Notsituationen sehr hilfreich sein können. Bei Reisen mit Diabetes gilt auf jeden Fall: „Better be safe, than sorry“.

2. Die erste Zeit nach der Ankunft
Der Tagesablauf während einer Reise unterscheidet sich doch meistens sehr stark vom normalen Alltag zuhause. In Julias Fall bedeutete es: mehr Bewegung, anderes Essen, unregelmäßige Aktivitäten. Sehr hilfreich war in der Anfangszeit das CGM-System in Kombination mit Accu-Chek Guide als Blutzuckermesssystem. Um das Basalinsulin an die neuen Gegebenheiten anzupassen war es hilfreich die Werte zu dokumentieren. Accu-Chek Guide überträgt die Werte dabei praktisch in die mySugr-App. Das erleichtert das Erkennen von Mustern ziemlich und hat mir dabei geholfen meine Therapie schneller anzupassen.


3.  Diabetes in Sondersituationen
Wie verhält sich der Blutzucker in Höhen jenseits der 4.000 Meter über dem Meeresspiegel? Oder wie sehr muss man die Basalrate anpassen wenn man 3 Tage fast durchgehend wandert? Solche Fragen hat sich Julia natürlich schon vor der Reise gestellt. Eine eindeutige Antwort zu diesen Fragen findet man allerdings leider nicht online finden, sondern erst vor Ort – schließlich verhält sich Typ 1 Diabetes sehr individuell. Gesagt, getan wurde ausprobiert – und das nicht immer gleich mit Erfolg. Bei den ersten beiden Ausflügen zu Vulkanen auf 4.500 Metern war der Blutzucker anfangs sehr hoch. Die Ursache war wahrscheinlich das Adrenalin, das der Körper bei solchen aufregenden Erlebnissen ausgeschüttet hat, aber auch das Frühstück in den hohen Gebieten. Beim nächsten Mal hat Julia dann wirklich sehr wenige Kohlenhydrate zu sich genommen und siehe da: keine Werte über 250 mg/dl mehr.


Genauso war es bei den Mehrtageswanderungen: in Patagonien hat es super funktioniert, in Peru dann leider nicht mehr so gut. Gründe dafür waren wahrscheinlich die unterschiedlichen Wetterbedingungen, Höhenmeter, aber auch Schwierigkeitsgrade der Strecken. Besonders in der Nacht nach einer großen Wanderung war es für Julia notwendig das Basalinsulin um fast 50% zu senken.

4.  Was bleibt von der Reise übrig?
Es ist gar nicht so leicht die eigene Stimmung nach einer so langen Reise festzuhalten. Eines ist klar: die Reise war aufregend ohne Ende. All die Eindrücke bleiben hoffentlich noch sehr lange in Erinnerung. Man darf natürlich dabei auch nicht vergessen, welche Anstrengungen man teilweise durchsteht. Sei es aufgrund der äußerlichen Bedingungen (extreme Höhenmeter, Luftfeuchtigkeit, Temperatur,…) aber auch Erkrankungen, die während der Reise entstehen. Natürlich muss mit dem Diabetes im Gepäck auch einiges mehr im Voraus bedacht werden – sei es an Diabetesmaterial oder Notfallmedikation. Alles in Allem: bleibt aber das Gefühl, dass Reisen wohl die schönste Verwirklichung der von Freiheitsträumen ist. Und auch der Diabetes muss einem da definitiv nicht im Weg stehen.

5. Tipps & Tricks für andere – ein Fazit
Eines vorweg: der Diabetes sollte kein Grund sein, sich Wünsche nicht zu erfüllen. Julias Erfahrungen haben gezeigt, dass er eigentlich während der gesamten Reise kein großes Hindernis war. Ein paar Erkenntnisse hat sie dennoch gewonnen:
•    wie auch bei anderen Reise empfiehlt es sich eine ärztliche Bestätigung mitzuführen, nicht nur für Flüge sondern auch Grenzüberquerungen (Julia hat da eine sehr komische Erfahrung an der Grenze von Chile gemacht)
•    Wählt ein verlässliches und robustes Blutzuckermessgerät (in meinem Fall hat sich Accu-Chek Guide als Begleiter sehr bewährt)
•    Nehmt euch auf jeden Fall extra viel Diabetesequipment mit (besonders Sensoren, Blutzuckermessstreifen und Insulin) – Lanzetten und Pennadeln bleiben wohl immer übrig
•    Schreibt euch den Wirkstoff eurer Insuline auf – damit ihr sie im Notfall nachkaufen könnt (siehe auch hier)
•    Erstellt ein Infoblatt für Notfallsituationen für eure (Reise-)partnerInnnen
•    Genießt die Reise & lasst euch (grundsätzlich) von nichts und niemanden Bremsen – auch nicht dem Diabetes!