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Kurioses aus dem Kurheim

Nachdem es die letzten Monate bei mir diabetestechnisch nicht so besonders gut lief entschied ich mich im Frühling dazu eine Reha zu machen. Seit dem letzten Jahr hat sich mein HbA1c von Kontrolle zu Kontrolle verschlechtert – also war es Zeit zu handeln. Im Alltagsstress fällt es mir meist schwer in solchen Phasen genug Aufmerksamkeit für eine genaue Analyse der Ursachen zu finden. Also war klar für mich, dass ich das am besten gemeinsam mit einem Diabetesteam stationär lösen kann. Bereits vor 4 Jahren war ich schon einmal auf einer Reha. Während des letzten Aufenthalts wurde ich kurzfristig auf eine Pumpentherapie umgestellt und habe viel Neues gelernt.

 

Also los zum Arzt um eine Verordnung zu holen – nach einigen Wochen Wartezeit erhielt ich schließlich die Bewilligung für einen 3 wöchigen Reha-Aufenthalt. Besondere Überraschung war dabei, dass ich zu einem eigenen Jugendturnus eingeteilt wurde. Klang anfangs nicht unbedingt schmackhaft, da ich mich mit 24 Jahren nicht unbedingt mehr als Jugendliche sehe. Auch der graphisch wundervoll (Scherz!) aufbereitete Folder hat mich anfangs nicht besonders überzeugt. Beim nächsten Stammtischtreffen konnte ich schließlich 2 Teilnehmer überzeugen mit mir gemeinsam die Reha zu bestreiten.

 

Gesagt, getan ging’s Anfang August auf ins Reha -Zentrum mit Vorfreude auf viel Zeit für MICH! Angekommen im wunderschönen Wiener Wald fühlte ich mich auf Anhieb sehr wohl. Glücklicherweise stellte sich die Jugendgruppe also gar nicht so jugendlich heraus. Die TeilnehmerInnen waren bunt gemischt von 16 bis 38 Jahren alt.

 

4 kuriose Entdeckungen

 

1. Der Pillenruf neben meinem Bett

Das Rehazentrum verfügt über einen Pflegestützpunkt, der 24 Stunden durchgehend erreichbar ist. Verbunden über den Pillenruf kann man jederzeit medizinische Hilfe holen.

Allerdings kam es bei mir eher zu morgendlichen Weckanrufen.. meist 2 Minuten nach meinem ersten Termin um 6:30.. Entspannung sieht anders aus! ;)

 

2. Freizeitgestaltung à la Kurheim

Neben den medizinischen und therapeutischen Fixpunkten, war das Rehateam auch sehr um unsere Freizeit bemüht. Es gab ein kleines nettes Lagerfeuer und sogar 2 Konzerte während meiner Zeit. Eines davon hat mich ziemlich erheitert.. aber sieht selbst.

 

3. Ghettowienerisch kann ich jetzt

Wie gesagt - die Gruppe war bunt gemischt. Dabei waren auch ein paar "jugendiche" Wiener, die mich mit ihrer Sprache in den Bann genomen haben. 5 Wörter sind dabei wichtig: "Bruder", "schwör", "ich mach die Maier", "Fix" und "oida". Diese Wörter können beliebig oft an allen Satzstellen eingebaut werden...

 

4. Diabetesschulung muss nicht (immer) langweilig sein

Diabetesschulung ist für aktive und langjährige Diabetiker ja wenn man ehrlich ist oft etwas einschläfernd. Den Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2 kann ich mittlerweile nachts um 3 schlafend aufsagen und die Symptome von Unter- und Überzuckerung kenne ich nur zu gut.

Mit dementsprechender Erwartungshaltung habe ich mich zur ersten Schulungseinheit begeben & wurde überrascht. Diabetesschulung geht auch anders! Unser Diabetesberater Erwin hat die stundenlangen Schulungen so erfrischend und graphisch wunderbar aufbereitet. Da bleiben "Essspritz-Abstand", "Fixrate" und co noch besser im Kopf.

 

Fazit: Ich habe die 3 Wochen wirklich genossen und vor allem wieder gemerkt, wie wichtig es ist sich wirklich immer wieder mal INTENSIV mit dem Diabetes zu beschäftigen - sei es durch kompetente ärztliche Beratungsgespräche, Schulungen, als auch vor allem der Austausch mit anderen. Es tut so gut so viele verschiedene Menschen, die alle mit Typ 1 Diabetes leben persönlich kennenzulernen und zu erfahren, wie jeder unterschiedlich damit lebt. Eine spannende Erkenntnis dabei, war eigentlich auch, dass es denjenigen, die regelmäßig Kontakt zu anderen Typ1Dias haben, pyschisch deutlich besser ging.

Ich kann so einen Aufenthalt wirklich nur jeder/m empfehlen.

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