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Diabetes & Psyche - 24/7 ohne Pause

Diabetes Typ 1 ohne Folgeerkrankungen oder anderen Beschwerden bereitet meist keine körperlichen Schmerzen. Okay, manchmal erwische ich beim Spritzen eine schlechte Stelle und das kann dann schon mal ganz schön wehtun. Und auch während Über- und Unterzuckerungen fühle ich mich oft unwohl und körperlich eingeschränkt. Aber dennoch würde ich von mir selbst sagen, dass ich mich großteils sehr fit und voller Energie fühle. Dass dies bei vielen anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes nicht der Fall ist, habe ich wieder während meines Rehaaufenhalts bemerkt. Oft habe ich Sätze wie „Der Diabetes kontrolliert mein Leben“ oder „Der Diabetes hat mein Leben ruiniert“ gehört. Muss das sein bzw. was kann man dagegen tun?

 

 

 

24 Stunden/7 Tage die Woche – und das ohne Pause

 

Diabetes Typ 1 unterscheidet sich von vielen anderen chronischen Erkrankungen, da man als Betroffene/r permanent für die Steuerung der eigenen Therapie zuständig ist – also quasi ein 24/7 Job ohne Pause. Diabetes ist immer dabei – egal ob man gerade den besten oder den schlechtesten Tag seines Lebens hat. Ob man gerade mit einer Gruppe Freunden auf einem Boot Wein trinkt, auf Weltreise ist, ein Jobinterview bestreitet, einen geliebten Menschen verloren hat oder beruflich extremen Stress hat - eine Auszeit von der Aufgabe als „Blutzuckermanager/in“ gibt es praktisch nicht. Dieser Tatsache muss man sich bewusst werden. Viele Menschen sind allerdings damit überfordert und können nicht abschalten.

 

Diabetes und psychischer Stress

 

Während vieler Gespräche mit Menschen mit Typ 1 Diabetes habe ich bemerkt, dass sich psychischer Stress in ganz unterschiedlichen Formen zeigt. Alle Menschen sind einzigartig und gehen auf ihre eigenen Art und Weise mit dieser permanenten Verantwortung um. Besonders aufgefallen ist mir dabei, dass Menschen, die die Erkrankung als besonders belastend empfinden meist auf 2 Arten reagieren:

 

Reaktion 1: Diabetes und Kontrollzwang

 

Eher perfektionistische Personen neigen dazu ihre Diabetestherapie mit einem gewissen Kontrollzwang zu führen. Die Angst vor Folgeerkrankungen besonders durch überhöhte Blutzuckerwerte geht oft mit übertriebener Kontrolle einher. Ich habe schon Menschen getroffen, die seit 20 Jahren Tag ein, Tag aus handschriftlich Tagebuch führen. Prinzipiell ja lobenswert! Ich bin auch der festen Überzeugung, dass Dokumentation einen wesentlichen Teil der Therapie darstellen sollte, allerdings denke ich ebenso, dass man sich dadurch nicht einschränken lassen sollte. Vor allem wenn es so weit geht, dass dieser Kontrollzwang einem davon abhält, Dinge zu tun, die einem eigentlich Freude bereiten. Wenn es soweit ist, dass man sich sozial zurückzieht, um akribisch seine Blutzuckerwerte im Normbereich zu halten stimmt etwas nicht. Dann ist es dringend Zeit sich Hilfe zu holen. Mehr dazu am Ende des Artikels.

 

Reaktion 2: Diabetes als Sündenbock

 

Das Leben mit Diabetes ist definitiv nicht immer leicht. Dennoch sollte man versuchen, die Erkrankung nicht als Mittelpunkt des Lebens zu sehen. Neben den perfektionistischen Menschen mit Typ 1 Diabetes, habe ich auch genug der „Scheiß drauf“-Personen kennengelernt. Der Diabetes wird dabei oft als Grund für allen Misserfolg gesehen. Ich will jetzt nicht sagen, dass der Diabetes bestimmt für manche Menschen eine riesige Hürde darstellen kann. Dennoch denke ich, dass man mit Diabetes eigentlich alles (mit kleinen Ausnahmen) schaffen kann – auch vielleicht manchmal eben nicht allein - sondern mit Hilfe. Die Ansicht, dass Diabetes der Anfang allen Unglücks ist, kann ich aber definitiv nicht teilen. Und allen die denken, dass dies so ist, kann ich auch nur Hilfe in Form von psychologischer oder psychotherapeutischer Unterstützung empfehlen. Dieses Gefühl sollte und muss niemand haben! Daran kann etwas ändern.

 

Warum es sich lohnt sich Hilfe zu holen

 

Allen, die Diabetes ähnliche Gefühle bringt, kann ich nur bitten macht etwas gegen das Gefühl der Machtlosigkeit – egal in welche Richtung sie gehen mag. Die österreichische Diabetesgemeinschaft hat eine Liste von Psychologen und Therapeuten erstellt, die sich speziell mit Diabetes auskennen. Nutzt die Chance euer Leben angenehmer gestalten. Ihr seid definitiv nicht allein! Alles Gute wünsche ich allen, die den Weg der Veränderung starten :)

 

Wie geht es euch allgemein mit dem Thema "Diabetes & psychischer Stress"?

 

 

 

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