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Interview: 3 Monate Closed Loop - was bringt es wirklich?

Closed Loop ist ja momentan in aller Munde. Doch welche Erfahrungen machen Menschen wirklich, die bereits loopen? Wir haben Stefan zu seinen ersten Eindrücken nach 3 Monaten DIY Closed Loop befragt. 

 

Diabetes Insights: Hallo Stefan! Schön, dass du dir Zeit nimmst ein paar Fragen zu beantworten. Erzähl mal: Wie lange hast du schon Typ 1 Diabetes & kannst du dich erinnern wie die Diagnose damals für dich war?

 

Stefan: Seit fast 23 Jahren, kann mich deshalb nicht mehr daran erinnern. ;) 

 

Diabetes Insights: Du lebst ja ein sehr aktives Leben mit T1D. Was ist dennoch das Schwierigste für dich am Leben mit T1D?

 

Stefan: Durchgehend einen Blick auf den Blutzucker zu werfen um immer im „Normalbereich“ zu bleiben. Da ich Spätfolgen unbedingt vermeiden möchte, ist dies eine schwierige Aufgabe.

 

Diabetes Insights: ...aber du hast dir das Leben ja inzwischen erleichtert. Wie kam‘s dazu, dass du dir ein Closed Loop System gebaut hast?

 

Stefan: Ich hab mir immer vorgenommen mein Leben durch den Diabetes nicht einschränken zu lassen und gleichzeitig so wenig Energie wie möglich zu investieren, um eine gute Einstellung zu haben. Meistens geht das eine mit dem anderen schwer einher, deshalb auch die Entscheidung zu einem Closed Loop.

 

Diabetes Insights: Vielleicht kannst du uns ja kurz erklären wie das System genau funktioniert?

 

Stefan: Puh, es gibt sehr viele Variationen und Systeme – ich kann aber kurz meinen Stand erklären (den ich nicht empfehlen würde ;) ) Als „Haupt“pumpe verwende ich eine 722er Veo. Dazu habe ich einen (Guardian2) Sensor, der nur mit einer Medtronic 640G kompatibel ist. Des Weiteren habe ich ein Explorer/Edison Rig (Stichwort: OpenAPS), das über das Internet auf meine Sensordaten zugreift (dies ist mit meinem privaten Smartphone mittels Tethering mit dem Internet verbunden). Nun fehlen nur mehr die Sensordaten der 640G im Internet – dafür habe ich ein eigenes weiteres Smartphone, bei dem ein Contour Next Link Messgerät dranhängt und die Daten der 640G ausliest (Stichwort: 600seriesUploader). All dies läuft über eine eigens eingerichtete Website (Stichwort: Nightscout).

 

Demnächst werde ich das Smartphone mit dem Messgerät zum Glück loswerden, da ich einen MiniLink Transmitter geschenkt bekommen habe, der mit der 722er Veo kompatibel ist. So brauche ich die 640G und das Smartphone nicht mehr mit mir herumtragen und erspare mit eine Menge an Ballast :D

 

    Diabetes Insights: Unterm Strich nach 3 Monaten Laufzeit, wie viel hat dir das Closed Loop System genau gebracht?

 

     Stefan: Kurz gesagt: Ruhige Nächte. Keine Hypos, keine Hypers. Immer zwischen 80 und 110 – und ich wache auch damit auf. Nach den meisten Essen einen Anstieg auf 160, mit schnell wirkendem/süßem Essen auf 200, dann wieder fallend.

 

     Diabetes Insights: Und so ganz generell: was kannst du anderen T1Ds mitgeben & welche Wünsche hast du für die Zukunft?

 

     Stefan: Wenn man sich Closed Loop zutraut, soll man es unbedingt probieren. Wenn man Angst oder Bedenken hat, kann man auch auf die 670G warten, da man mit einer guten Einstellung auch auf einen HbA1c von 6,5 kommen kann (darunter wird es schwierig).

 

 

 

Ich hoffe, dass die DIY Community von #WeAreNotWaiting mit dem Open Source Code den kommerziellen Firmen schneller voran hilft, sodass jeder in den nächsten Jahren auf eine kommerzielle Closed Loop Pumpe zurückgreifen kann!

 

Diabetes Insights: Vielen Dank für das Interview & alles Gute!

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Kommentare: 2
  • #1

    Bernhard Müller (Donnerstag, 15 März 2018 17:51)

    Fahre mit Dexcom G5 und Omnipod einen HBA1C von 6.2- ganz ohne Loop! Wertte von 200 gibt es max, 3-4- pro monat!

  • #2

    Julia (Samstag, 17 März 2018 08:46)

    Wow, Bernhard. Das ist toll. Ernährst du dich low carb?