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Teil 1: #Interview: Diabetiker und Extremsportler Geri Winkler

Quelle:  www.winklerworld.net
Quelle: www.winklerworld.net

Viele von uns haben sicher schon voller Spannung seine beiden Bücher gelesen. Er gilt als Extremsportler, würde sich aber selber wohl eher als Extremreisender bezeichnen. Wir haben ihn getroffen: Geri Winkler, der erste Mensch der Welt, der nicht nur alle Länder der Welt bereist hat, sondern auch die höchsten Gipfel jedes Kontinents (Seven Summits) bestiegen hat. Und noch ein weiteres Detail macht ihn zu etwas Besonderem: er hat Diabetes Typ 1. Lest hier in Teil 1 des Interviews über seine Diagnose und welchen Therapieplan er für seine Abenteuer benutzt. 

Diabetes Insights: Hallo Geri! Wir freuen uns sehr, dass du dir die Zeit für ein Gespräch mit uns genommen hast. Kannst du uns zu Beginn etwas über dich und deine Diagnose erzählen? 

Geri Winkler: Ich habe Diabetes erst recht spät bekommen, mit 28 Jahren erst. Die Diagnose kam, als ich gerade von einer 7-monatigen Weltreise zurückgekommen bin. Ich hatte die ganzen üblichen Symptome, durstig sein, viel aufs Klo gehen usw. Zuerst dachte ich mir, das hat irgendwas mit der Reise zu tun, die ich gerade beendet hatte, ich war ja auch in Papua-Neuguinea! Aber dann ist es doch ziemlich rasant gegangen, denn ich habe plötzlich nichts mehr gesehen. Das ging ganz schnell. Ich bin noch mit dem Auto nach Linz gefahren. Drei Tage später konnte ich nicht mehr zurückfahren, ich musste abgeholt werden. Ich ging zu meinem Hausarzt und der hat mich zum Augenarzt überwiesen. Ich war damals noch Rettungssanitäter und hatte eine Ahnung. Ich habe meinen Arzt um einen Fingerstich gebeten, um den Blutzucker zu kontrollieren und das war dann der Volltreffer. 

Diabetes Insights: Wie war dann die erste Zeit nach deiner Diagnose? 

Geri Winkler: Also mein Blutzucker war bei der Diagnose gar nicht so hoch. Beim ersten Mal hat es zwar "High" angezeigt, aber dann haben sie im Spital den Blutzucker nüchtern gemessen und da war er dann bei 275 mg/dl. Naja dann bin ich halt 2 Wochen im Hanusch Krankenhause in Wien gehängt und dann kam aber die Remission die ziemlich massiv war bei mir, sprich ich habe sogar aufgehört zu spritzen für ein Jahr. Ich weiß zwar bis heute nicht, ob das so gescheit war, aber während dieser Phase habe ich auch meinen ersten 6000er bestiegen. Ich war schon extrem in dieser Zeit, ich bin jeden Tag 18 Kilometer laufen gegangen, um den Blutzucker unten zu halten. Das war dann irgendwann auch nicht mehr lustig, obwohl laufen schon sehr schön ist. Naja und nach einem Jahr hat es dann voll zugeschlagen. 

Diabetes Insights: Und wie ging es dann weiter?

Geri Winkler: Ich war dann für ein Jahr schon ziemlich frustriert, ich habe mich ziemlich eingeengt gefühlt. Aber Anfang 1987 wollte ich es dann als Neujahrsvorsatz nochmals probieren und habe dann wieder angefangen, mit dem Laufen zu trainieren. Zuerst hat man mir geraten ganz langsam 5 Kilometer zu laufen, aber das machen ja die Pensionisten. Ich bin dann recht schnell wieder 18 Kilometer gelaufen und habe dann im Prater alleine, ohne etwas zu trinken oder zu essen meine ersten 30 Kilometer absolviert. Da war ja dann der Marathon auch nicht mehr weit. Mein Arzt meinte damals ich habe keine Chance das zu überleben, ich habs aber trotzdem gemacht. 

Diabetes Insights: Wie hast du denn deine Therapie angepasst? 

Geri Winkler: Ich bin zu Dr. Kinga Howorka gegangen (Anm.: Wiener Diabetologin) und habe mich in FIT schulen lassen. Sie hat damals für jeden Patienten einen eigenen Therapieplan entwickelt und uns gefragt, warum wir von einem unkomplizierten Plan mit einmal messen am Tag zu fünf mal messen am Tag wechseln wollen. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich das eigentlich nur machen will, weil ich auf einen 7000er gehen will. Sie hat dann gesagt, dass sie keine Ahnung hat, was dort oben passiert, aber sie wird den passenden Therapieplan für mich entwickeln. Drei Jahre später war ich dann angeblich der erste Diabetiker auf einem 7000er, wegen ihrer Therapie. Ich bin ihr sehr dankbar dafür. Ihr Verdienst für das Diabetes Management ist wirklich gewaltig. 

Diabetes Insights: Wie änderst du deine Therapie, wenn du Sport machst?

Geri Winkler: Ich arbeite mit dem Lantus. Beim Sport, auch bei ganztägiger sportlicher Betätigung ändere ich kaum etwas an der Basalrate, ich ändere aber massiv die BE-Faktoren. Ich benötige nicht viele BEs beim Sport. Bei einem Marathon nehme ich nur drei BEs zu mir, wobei die Basalrate geringfügig reduziert ist. Ich benutze auch keine Pumpe und benutze ein FGM nur zweimal im Jahr, um zu schauen, ob alles noch so passt wie gewohnt. Ich hab sozusagen eine richtige Steinzeittherapie! Aber ich fühle mich sehr wohl damit. Ich komme sehr gut mit dem Pen und der blutigen Messung zurecht. Das Problem bei Pumpen und CGMS sehe ich dabei, dass die Gefahr besteht sich das runterzureißen. Bei Ausdauersportarten ist das kein Problem, aber wenn ich im Fels bin, kann das schon zum Problem werden. Ich habe CGMS früher für Firmen getestet, aber das hat mich in den Bergen immer behindert. Aber damals war das auch noch ein Gerät mit einem Schlauch, der in den Körper reingegangen ist. 

Den Rest des Interviews findet ihr in Teil 2! 

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