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Als erster Diabetiker ins Ziel des RAAM - Interview mit Thomas Haas

An einem wunderschönen Apriltag starten wir unsere Autofahrt ins schöne Salzburg. Unser Ziel: Abersee am Wolfgangsee. Unser Weg führt uns zum Extremsportler Thomas Haas, welcher am 12. Juni 2018 an den Start des härtesten Radrennens der Welt gehen und es als erster Typ 1 Diabetiker überhaupt finishen wird. In maximal 12 Tagen muss er es nach fast 5000 km ins Ziel schaffen und dabei an die 50000 Höhenmeter überwinden. Ein bewunderswertes, aber auch verrücktes Unterfangen. Wie er das auch noch mit Diabetes Typ 1 schafft, haben wir ihn und seine Frau Brigitte in einem Gespräch gefragt. 

Diabetes Insights: Hallo Thomas! Vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Gespräch mit uns genommen hast. Du bestreitest ja im Juni das RAAM, eines der härtesten Radrennen der Welt. Und das als Typ 1 Diabetiker. Wie ist es denn dazu gekommen? Wie hat denn deine Geschichte als erfolgreicher Ausdauersportler mit Diabetes begonnen?

Thomas Haas: Im Jahr 2003 wurde bei mir Diabetes Typ 1 diagnostiziert, ich war damals 39 Jahre alt. Die Diagnose kam also ziemlich spät. Ich wurde in der Klinik eingestellt, bin aber schon während meinem Aufenthalt dort weiter sporteln gegangen. Somit konnte ich gleich sehen, wie sich der Diabetes mit dem Sport verhält. Ich habe dann recht schnell eine Insulinpumpe bekommen. Mit der war die Einstellung für den Sport noch einfacher. Ich war auch einer der ersten, der ein CGMS bekommen hat. 

Diabetes Insights: Welche Art von Therapie hast du jetzt?

Thomas Haas: Ich benutze jetzt die Medtronic 640G und den Eversense. Dadurch habe ich beim Radrennen meinen Blutzucker immer unter Kontrolle und kann sofort darauf reagieren. Beim RAAM werde ich meine Werte und das Insulin jedoch nicht selber steuern. Ich muss mich zum Glück nur aufs Radeln konzentrieren. Mein Team wird im Begleitauto bei mir sein und meinen Blutzucker immer im Blick haben und darauf reagieren können. Die bekommen vorher von mir noch eine genaue Einschulung und wissen

dann genau wie sie reagieren müssen :-)

Diabetes Insights: Beim Sport gehts ja auch oft um die sogenannten Sport-BEs, die wie ja alle kennen. Wie lässt sich das bei einem Rennen verwirklichen, bei dem du rund 20 Stunden pro Tag auf dem Rad sitzt?

Thomas Haas: Ich ernähre mich schon lange ohne Kohlenhydrate. Meistens komme ich pro Tage auf rund 30g Kohlenhydrate, das sind dann die Kohlenhydrate die zum Beispiel im Gemüse drinnen sind. Meine Frau und ich machen das schon seit längerer Zeit und konnten damit beide gesundheitliche Erfolge erzielen. Und bei mir ist es auch viel praktischer mit dem Diabetes. Wenn der Körper seine Energie aus Fett und Eiweiß bezieht, braucht er nicht so viel Insulin und die zugeführte Nahrung wird nicht so schnell verbrannt und steht dem Körper länger zur Verfügung. Während dem Radrennen ist das auch noch eine Extremsituation: da trinke ich dann Schlagobers mit Kakaopulver - wenn's süß sein soll - oder mit Suppenpulver wenn ich gerne eine herbe Mahlzeit hätte. 

Nach dem Radrennen werde ich das dann wieder ein bisschen lockerer sehen - aber generell werde ich die kohlenhydrat-reduzierte Ernährung beibehalten. 

Diabetes Insights: Du hast ja vorhin schon mal dein Team erwähnt. Inwiefern unterstützen die dich?

Thomas Haas: Mein Team besteht aus 10 Mitgliedern. Sie kümmern sich um meine sportliche Betreuung, Verpflegung, meinen Diabetes und sind eine große mentale Stütze. Vor allem aber meine Frau Brigitte war für mich in den letzten Jahren und auch für dieses Vorhaben die größte Stütze. Ich trainiere viel und ernähre mich sehr speziell. Aber sie steht da voll hinter mir. Auch meine Söhne sind Teil meines Teams und werden auch in den USA mit dabei sein. 

Während dem Rennen wird mein Team meinen Blutzucker ständig im Auge behalten und darauf reagieren. Wenn ich das selbst machen würde, wäre das sehr verantwortungslos, da man bei solch einer sportlichen Herausforderung irgendwann nicht mehr klar denken kann und einfach nurmehr fährt. Da würde ich wahrscheinlich keine guten Entscheidungen treffen und das wäre fatal.

Diabetes Insights: Was sagt denn dein Arzt zu deinem Vorhaben?

Thomas Haas: Mein Arzt kennt mich eh, ich mach das ja schon seit Jahren. Jeder Sportler hat so seine Eigenheiten bei der Ernährung und dem Training. Ich kenne mich aus und er berät und unterstützt mich so gut er kann. Ein kompetenter Arzt ist sehr wichtig für die Diabetes Therapie und das sollte auch auf Augenhöhe passieren. Ich gehe wie jeder andere Diabetiker auch regelmäßig zu den Kontrollen.

Diabetes Insights: Wir danken dir sehr für das Gespräch Thomas! Möchtest du noch etwas abschließendes sagen?

Thomas Haas: Jede der möchte kann mich beim Rennen durch einen Live Ticker auf meiner Homepage verfolgen. Ich freue mich, mit diesem Rennen neue Wege im Umgang mit Diabetes zeigen zu können. 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Haas' Kilometerverkauf für den guten Zweck: 2€ pro verkauftem Kilometer gehen an Kinder mit Diabetes. Der Name des Käufers/der Käuferin wird Thomas während seines Rennens von seinem Team zur Motivation genannt. 

 

Alle Infos dazu findet ihr auf:

http://www.diabetes-sport.net/files/diabetes-sport/Uploads/Kilometerliste/Kilometerliste.pdf

Hier geht's zur Homepage von Thomas Haas: 

http://www.diabetes-sport.net/projekt.html

Im Live Ticker könnt ihr Thomas während seiner Fahrt verfolgen:

http://diabetes-sport.net/news.html

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