· 

Der weibliche Diabetes

Was hat das mit dem Geschlecht zu tun?

Ein weiblicher Diabetes? Gibt es so etwas überhaupt? Männer und Frauen bekommen dieselben Insuline, haben vielleicht je nach Größe und Gewicht andere Faktoren und kämpfen alle mit ähnlichen Problemen. Was ist also der große Unterschied zwischen einem weiblichen und männlichen Diabetes?

 

Schon länger ist bekannt, dass Frauen nicht nur anders auf Medikamente reagieren. Der Grund dafür sind nicht nur Alter, Körpergröße und Gewicht, sondern auch Hormone und soziale Faktoren spielen eine große Rolle. 

Die Hormone

Frauen mit Diabetes sind tendenziell mehr vom sogenannten polyzystischen Ovarial-Syndrom (PCOS) betroffen. Was heißt das? Unregelmäßige Monatsblutungen, Müdigkeit, Regelschmerzen, Akne, starke Monatsblutungen etc. gehören zu den Symptomen. 

Von all diesen Dingen kann ich ein Liedchen singen. Das PCOS wurde nie von meiner Gynäkologin diagnostiziert. Auch müssen diese Symptome, die sehr viele Frauen betreffen, nicht unbedingt vom Diabetes kommen. Trotzdem haben meine Ärzte und Ärztinnen mit mir noch nie darüber gesprochen, ob ich möglicherweise betroffen sein könnte!

Die veränderte Basalrate

Schon während ich noch die ICT Therapie hatte, bemerkte ich, dass ich in der zweiten Hälfte meines Zyklus' mehr Insulinbedarf hatte. Bis zum Einsetzen der Monatsblutung hat sich das dann immer zugespitzt! Seit einigen Monaten benutzt ich die Patchpumpe Omnipod. Mit der Pumpe ist es möglich, verschiedene Basalraten einzustellen. Das habe ich mir dann gleich zu Nutzen gemacht und zwei weitere Basalraten für meine zweite Zyklushälfte erstellt. 

 

Auch konnte ich beobachten, dass mein Körper während dieser Phase viel viel weniger sensibel aufs Insulin reagiert. Gerade in den letzten Tagen vor dem Einsetzen der Menstruation wirkt das Insulin manchmal wie Wasser und selbst beim größten SEA lacht mich mein Körper scheinbar aus, was ich denn mit dem bisschen Insulin will ;-)

In meinem Basalratenprofil 1 komme ich auf 18 Einheiten pro Tag. Dieses Basalratenprofil benutze ich bis zum Tag des Eisprungs und wechsle dann aufs nächste. Ich merke meistens wenn ich meinen Eisprung hatte, benutze aber auch eine App, die mich daran erinnert, dass es die nächsten Tage irgendwann soweit ist. 

Ab dem Tag 15 (UNGEFÄHR!!!) wechsle ich dann auf mein Basalratenprofil 2. Hier komme ich schon auf 23,6 Einheiten. Dieses Basalratenprofil ist noch nicht sehr gut ausgetestet, was ich jedoch auf jeden Fall feststellen konnte ist, dass ich ab dem Einsprung sprunghaft mehr Insulineinheiten benötige. 

Eine Vermutung von mir und noch weniger gesichert als Basalratenprofil 2 ist das Basalratenprofil Numero 3: Etwa fünf Tage vor dem Einsetzen meiner Periode habe ich das Gefühl nochmal einen Deut mehr Insulin zu benötigen. Dieses Basalratenprofil schalte ich jedoch nicht bei jedem Zyklus ein, es ist ein bisschen Gefühlssache, je nachdem wie sich mein BZ gerade verhält. In diesem Profil komme ich schon auf 26 Einheiten! Das sind schon 8 Einheiten mehr als ich "normalerweise" brauche. 

Mit dem Einsetzen der Periode schalte ich meisten sofort auf das Basalratenprofil 1 zurück, was bisher immer ganz gut funktioniert hat. Diese Basalratenprofile habe ich erstellt, weil mir meine Erfahrung gezeigt hat, dass ich während des Zyklus' mehr Insulin benötige. Für jeden gilt hier jedoch etwas anderes! Auf jeden Fall sollte man das Thema in der Diabetesambulanz ansprechen, wenn man hier Probleme vermutet. 

Eine Studie sagt...

Die Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH, die medizinische Universität Wien und die Sinovo Gmbh & CO KG haben mit dem Forschungsprojekt DIABgender versucht, ein Wissensmodell und Empfehlungen zu entwickeln, die in Diabetes-Selfmanagement-Lösungen für Patienten und Patientinnen einfließen können. Daraus wurden IT-Lösungen gebastelt, die Diabetikerinnen helfen sollen, ihre individuellen Therapielösungen im Auge zu behalten und anzupassen. Die Wissenschaft hat also schon längst herausgefunden, dass hier gravierende Unterschiede bestehen. Warum wird das also in den Ärztezimmern noch so wenig besprochen? 

Frauen essen anders

Frauen achten tendenziell mehr darauf, was sie essen. Das kann sich jedoch nicht nur in einer besseren und gesünderen Ernährung auswirken, sondern auch zu Essstörungen führen. Diabulimie ist gerade bei jungen Typ-1-Diabetikerinnen eine gefährliche Erkrankung und zeigt, dass auch psychische Erkrankungen und Angststörungen bei Frauen mit Diabetes eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Es wurde auch herausgefunden, dass Diabetikerinnen vermehrt von psychischen Erkrankungen und Depressionen betroffen sind. Dass Frauen und Männer auf unterschiedliche Weise auf ihre Gesundheit schauen, sollte in der Diabetestherapie und im Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin einfließen! 

Fazit

Eine gendersensible Wissenschaft ist nicht nur im Diabetes-Bereich wichtig und sinnvoll. Ich denke hier sieht man aber beispielhaft, welche Auswirkungen es auf eine Therapieentscheidung haben kann, wenn "nur" das Geschlecht anders ist. Ärzte und Ärztinnen, Diabetes-BeraterInnen und die Patientinnen selbst sollten sich um dieses Thema kümmern. Wie man beim Thema Zyklus sieht, kann das wirklich therapieentscheidend sein! 


Welche Erfahrungen habt ihr mit eurer Therapie gemacht? Wie geht ihr mit Ernährung um? Wie verändert ihr eure Faktoren im Laufe des Zyklus? 

Quellen und weitere Infos

Ganz besonders empfehlenswerter Blog: