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1 Monat OmniPod - Ein erstes Fazit

VERFASST VON: SARA

Insulinpumpe? Naja mal schauen...

Anfang November habe ich endlich meinen Omnipod bekommen. Schon seit über einem Monat hatte ich das Starterpaket zu Hause, das darauf wartete in Betrieb genommen zu werden! Ich wurde also endlich auf das System eingeschult, durch meinen Arzt, durch die Schulungsschwester und die Omnipod Vertreterin. Ich begann mir schon Sorgen zu machen, wie kompliziert das alles ist, weil ich von allen Seiten darauf vorbereitet wurde. Später habe ich dann erfahren, dass es anscheinend normal ist die Pumpe stationär einzustellen, also anscheinend wurde mir da eh genügend Kompetenz zugesprochen, dass ich mich da selbst auskenne. 

Der Anfang

Wie ihr ja alle wisst, bin ich ja sehr sportlich unterwegs. Das war ein wichtiger Grund für mich, mich für den Omnipod zu entscheiden. Am ersten Pumpen-Tag hatte ich gleich ein 3-stündiges Workout vor mir. Die Pumpe wurde also gleich mal einem Hardcore Test unterzogen. In meiner 17-jährigen Diabetes Karriere ist es mir schon lange nicht mehr passiert, dass ich mir unsicher war wieviel Insulin und wieviele Kohlenhydrate ich brauche. Ich konnte in diesem Moment wieder mehr nachvollziehen, wie es Diabetes Neulingen gehen muss. Naja soviel dazu. An meinem ersten Tag war mein Blutzucker sowieso eher erhöht, weshalb ich vor dem Sport die Basalrate garnicht erst reduziert hatte. Nächster Hardcore Test war an diesem Tag dann auch noch, dass Halloween war und ich abends auch noch Alkohol getrunken habe. Ist im großen und ganzen auch recht gut verlaufen. 

Nach zwei Tagen hatte ich schon die erste Kontrolle. Ich war bis dahin zufrieden mit der Pumpe. Allerdings waren die zwei Tagen an denen Alkohol im Spiel war auch nicht so aussagekräftig.  Die nächsten Wochen sollten dann zeigen, wie es "wirklich" läuft. 

Alles hat seine Vorteile und Nachteile

Ich muss gestehen, ich hatte am Anfang schon meine Probleme mit dem System. Ich hatte ein paar mal den Eindruck, dass der Pod verstopft war, denn der Bluzucker stieg ohne Grund auf fast 400 an.DasSystem gab keinen Alarm los, ich habe die Pods trotzdem reklamiert. Nachdem ich mit dem Pen korrigiert hatte, ging der BZ nämlich runter, also nehme ich nicht an, dass es an einem "schlechten"Taglag.
Ich bemerkte auch, dass das Insulin an Stellen, wo mehr Fett ist (und wo es ja auch empfohlen wird zu tragen) eher schlechter wirkt. Konkret war das bei mir am Gesäß, dort werde ich den Pod wohl nicht mehr setzen. Am Oberschenkel habe ich es noch nicht probiert, da ich schon aus Pen Zeiten weiß, dass das Insulin dort bei mir so gut wie garnicht wirkt. Ich musste mich auch daran gewöhnen, dass ich beim Kleidungswechsel jetzt darauf achten muss, dass ich ein weiteres Ding am Körper kleben habe, bei dem ich aufpassen muss, dass ich es mir nicht herunterreiße. 

Was mich beim Omnipod wirklich nervt, sind die vielen Alarme. Wenn die Lebenszeit des Pods vorbei ist und man ja noch 8 Stunden hat, um ihn zu wechseln, piepst dieses Ding wirklich ständig. Mir würde schon ein Alarm reichen, der mir sagt "Der Pod ist jetzt abgelaufen, du hast jetzt 8 Stunden Zeit, bis du ohne Insulin bist". Der Alarm geht dann nur leider ein paar mal in der Stunde los. Bei mir wirkt sich dass nun so aus, dass ich gegen Anraten meines Arztes den Pod vor dem Schlafengehen wechsle oder schon vor dem Ablauf, damit er nicht plötzlich um 18 Uhr wenn ich zum Beispiel im Kino bin unnötig zu piepsen beginnt. Sehe ich da was falsch oder kann man dieses Gepiepse wirklich nicht verändern?? 

Über den PDM braucht man ja nicht viele Worte verlieren. Das Gerät mit dem ich die Insulinabgabe steuere, ist aus dem Jahre Schnee und sieht aus wie ein Walkie-Talkie!! Und man braucht echte Fingerkraft, um die Tasten zu drücken. Bei einem dicken Wintermantel muss das Gerät an den Pod gehalten werden, weil die Entfernung zu groß ist, um eine Verbindung herzustellen. Dieses Problem habe ich jedoch nicht nur mit Jacken, sondern auch wenn ich den Pod am unteren Rücken trage. Aber da soll ja nächstes Jahr zum Glück was Moderneres auf den Markt kommen... 

Neue Lebensqualität

Trotz diesen absolut nervigen Nachteilen bin ich sehr froh mich für den Omnipod entschieden zu haben. Von der temporären Basalrate mache ich sehr oft Gebrauch! Vor allem beim Sport ist es Gold wert, das Insulin für ein paar Stunden mal quasi auf 0 schalten zu können. Dank dem Bolusrechner sind Situationen in denen ich viel zu voreilig und zu viel korrigiert habe nun viel seltener geworden. Schon sehr praktisch wenn man sieht wieviel aktives Insulin noch da ist! Seit kurzer Zeit bin ich auch etwas mutiger geworden was das Ausprobieren der Setzstellen anbelangt: seitlich der Brust ist im Moment meine Lieblingsstelle, da ich den Pod dort den ganzen Tag nicht spüre, wenn er vom BH verdeckt wird. Keine Gefahr, dass ich ihn mir während dem Tag runterreiße! Seit ich den Omnipod habe, ist es auch viel angenehmer in der Öffentlichkeit zu essen. Kein nerviges Shirt hochziehen mehr, ein Klick auf dem PDM genügt. Das ist besonders praktisch am Christkindlmarkt, wenn es Minusgrade hat. (Sofern der Pod und der PDM durch meine dicke Jacke kommunizieren können)

Fazit

Wie alles hat der Omnipod auch seine Tücken. Ich kann ihn trotzdem weiterempfehlen. Es fehlt wohl auch die Konkurrenz, die dazu führen würde, dass das System weiterentwickelt werden würde. Das soll sich jedoch in den nächsten Jahren ändern, wenn eine neue Patchpumpe auf den Markt kommen soll. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, wenn demnächst mal ein neuer PDM auf den Markt kommt und das aktuelle Walkie-Talkie in ein Museum gestellt wird ;-)

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Omnipod? Welche Tipps und Tricks habt ihr?